Grenzsteine

Klimakollaps, Artensterben, Wassermangel. Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Milliardäre jetten ins All.

Jetzt dieser Krieg in der Ukraine. Er ist nicht mehr und nicht weniger irrsinnig, als alle anderen Kriege vorher. Nur näher, für uns.

Ach ja, und Corona gibt’s ja auch noch. Man könnte meinen, die Krise wolle gar nicht mehr enden.

Will sie auch nicht. Wollte sie noch nie.

Nach positiven Tests bin ich seit drei Tagen in Absonderung – wo ich mich ohnehin zeitlebens am liebsten aufgehalten habe.

Zeit, mal wieder die Grenzsteine meiner misanthropischen Weltsicht abzuschreiten. Und etwas Aufbauendes zu lesen: Metro 2033, immer wieder umwerfend. Für mich die Divina Commedia der Neuzeit: Ein paar zehntausend Exemplare der Gattung Homo sapiens haben einen globalen Atomkrieg überlebt, weil sie sich in die gigantischen Katakomben der Moskauer Metro flüchten konnten.

Was machen sie dort? – Herrschaftssysteme errichten, Kriege führen, einander verfolgen, verstümmeln und umbringen. Das übliche Freizeitvergnügen unserer Gattung halt. Die bekannte Conditio humana.

Die seit 40 Jahren täglich überprüfte Erkenntnis, dass die Krone der Schöpfung diesen wunderschönen Planeten und sich selbst eher früher als später, aber unausweichlich ausradieren wird, mag neben einem ausgeprägten Hang zu ausschweifender Kontemplation der Grund gewesen sein, warum es für mich never ever etwas gab, für das es sich gelohnt hätte, größere Anstrengungen zu unternehmen. Humanistische Ideale? Karriere? Ein Haus bauen? – Aber ich bitte Sie …

Das Nötige, was gerade zu tun ist, möglichst effizient und unaufgeregt tun. Ansonsten schwarzen Tee trinken, aus dem Fenster in den Himmel schauen, und sorgfältig die Menetekel der äußeren Apokalypse im inneren Universum kartographieren.

Es gibt ambitioniertere Lebensentwürfe. Dieser ist unspektakulär, wenig erfüllend, aber unter den gegebenen Umständen machte mehr für mich keinen Sinn.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Sache mit der Wiedergeburt ein Aprilscherz irgendwelcher bekiffter Himalaya-Yogis war.

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Michael Heidekorn

Sich das alles ansehen. Gelegentlich lächeln. Weitermachen.

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