Dingelingeling

Täglicher Schreibanreiz
Welche Dinge benötigt man am ehesten, um ein gutes Leben zu führen?

Welche Dinge „man“ benötigt, weiß ich nicht. Welche „Dinge“ ich benötige, habe ich in dem nun schon etliche Dekaden laufenden Pilotprojekt „Das Leben des Michael H.“ sukzessive einzugrenzen versucht. Die übliche Trial&Error-Strategie halt, mit reichlich Auf-die-Fresse-Fallen, modrigen Sackgassen, falschen Fährten und seltenen Lottogewinnen: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben bei LOTTO 6 aus 49 einen Gewinn über 9,20 € erzielt.“ Juchhu.

Die Crux einer ersten Antwort auf die themagebende Frage besteht schon darin, dass meine Frau selbstredend kein Ding ist, sondern ein Mensch. Mit übernatürlichen Fähigkeiten. Anders ist nicht zu erklären, wie sie es mit mir aushält. Ohne sie wäre ich noch egozentrischer, noch depressiver, noch übellauniger. Kotzbrocken im Quadrat, ach was: Kubik. Mit anderen Worten: Sie wird benötigt, damit andere ein gutes oder zumindest besseres Leben führen können, indem sie meine toxische Einwirkung auf meine Umwelt auf ein homöopathisch erträgliches Maß runterskaliert. Welche es mir mit wohldosierter Anerkennung und gelegentlichen Sympathiebekundungen dankt. So haben also alle gewonnen; „man“, gewissermaßen. Die Dinge sind verzahnt.

Weiterhin werden benötigt: Genügend Schlaf und Bewegung, ein überdurchschnittlich hoher Stille-Anteil im Alltag, und reichlich gutes Essen. Wobei gutes Essen nicht gleich gesundem Essen ist. Zumindest habe ich in der Apotheken-Rundschau noch nie gelesen, dass Fränkischem Schäufele mit Rotkohl, Klößen und Biersauce spezielle Heilwirkungen zugeschrieben werden. Was uns zu einem der im Leben durchaus häufiger auftretenden Paradoxa führt: Ungesundes Essen kann heilsam sein. Echt jetzt? Yo. Hab ich getestet.

Wenden wir uns den Soft Skills zu. Das ist einfach, weil ich hier bequem auf Niebuhrs Gelassenheitsgebet zurückgreifen kann: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. – Für das durchschnittliche Haifischbecken unserer Berufsleben stellt dieser Dreiklang das ultimative Navi dar, wenn man nicht mit 40 als Kriegsversehrter die weiße Fahne schwenken will – go and get it! (Warum hier das metaphysische Konstrukt Gott bemüht werden muss, erschließt sich mir nicht wirklich, aber wer lieber was geschenkt bekommt, statt sich selbst drum zu bemühen, mag damit glücklich sein. Und Niebuhr war halt nicht nur ein Kind seiner Zeit, sondern überdies US-Amerikaner, der Arme. Da gehört nun mal in jeden Werbespot ein Bibelvers, wenn man (sich) gut verkaufen will …)

Last but not least ein Anti-Ding: Geselligkeit. Die benötige ich nun weiß Gott nicht. Es ist doch so schon alles schlimm genug. Lol.

Published by

Avatar von Unbekannt

Michael Heidekorn

Sich das alles ansehen. Gelegentlich lächeln. Weitermachen.

Ein Gedanke zu “Dingelingeling”

  1. Vielen Dank für Deinen erfrischenden Beitrag. Dieser in meinen Gedanken bringt mich definitiv mit einem Lächeln durch den Morgen. Genau das, was ich („man“) gebrauchen kann.
    Habe einen fantastischen Tag ☀️ Herzlich, Petra.

    Like

Hinterlasse einen Kommentar