Sonntagmorgen, 6.10h. Seit 4.00h bin ich wach, um 5.00h aufgestanden. Ein Käsebrot und den doppelwandigen Glasbecher mit Kaffee nehme ich mit an den PC. Alec auf seinem Hundebett fragt sich, was um Himmels willen ich in dieser Herrgottsfrühe schon hier unten zu suchen habe, lässt sich von mir kraulen, und schnarcht weiter.
Es geht mir so gut wie lange nicht. Seit über einem Monat nicht mehr gezockt, keinerlei Nachrichten gelesen. Ich habe auf einmal unfassbar viel Zeit zur Verfügung und meine Gedanken kreisen nicht permanent um Tod und Vernichtung. Ich bekomme wieder regelmäßig ausreichend Schlaf. In der letzten Woche habe ich es morgens vor der Arbeit dreimal ins Fitnessstudio geschafft.
Anfangs, unmittelbar nach der Rückkehr aus dem Urlaub, war da manchmal ein Gefühl von Unruhe, von Leere. Das waren die Momente, in denen ich bislang den Rechner hochfuhr und mich in meine virtuelle Welt einloggte. Oder mich durch die Galerie der Horrorszenarien von tagesschau.de, SPIEGEL online und Youtube fräste.
Mir wurde klar, wie viel Arbeit, die permanent in Haus und Garten zu tun ist, meine Frau erledigt hatte, während ich stundenlang softwaregenerierte Zombies killte. Von diesem Moment an brauchte ich keine „Liste gegen die Langeweile“ mehr; es ist immer genug zu tun: Rasenmähen, Einkauf, Altglas entsorgen, mit dem Hund gehen, Wäsche waschen … Und es bleibt immer noch genug Zeit für Mußemomente, in denen ich die Fotos vom letzten Urlaub anschauen, ein Buch lesen oder mit einem Bier auf der Terrasse sitzen kann.
Die Aufgabe ist jetzt, dieses Gefühl und diese Lebenshaltung zu stabilisieren und auszubauen. Und in Krisen, die kommen werden, nicht in das alte Muster zurückzufallen.
Ich bin ein Junkie. Ich werde immer wachsam sein müssen.
