Es ist wieder Montag, und als es auf 11.00h zugeht, ist von irgendwo tief drinnen schon so viel Grau in meinen Tag gesickert, dass er auf die Schultern drückt wie ein nasser Zementsack.
Und das, obwohl ich ausgeschlafen bin, die Sonne scheint, und eine SMS mir sagt, dass ich sagenhafte zehn Euro im Lotto gewonnen habe. Mich beschleicht ein übler Verdacht: Vermutlich bin ich längst tot und nur sitzengeblieben, als es hieß: „Dieser Zug endet hier.“
Als ich wenig später ein paar Einkäufe erledige und auf die Ausfahrt vom Baumarkt zurolle, leuchtet am Rand meines Gesichtsfeldes etwas auf: Ein kleiner roter Fleck, weit hinten in einer Ecke des Parkplatzes, wo die Zufahrt zur Anlieferung versteckt ist und kaum Kundenfahrzeuge stehen. Ich schlage scharf nach rechts ein und biege auf diesen verwaisten Teil der Parkfläche ab.
Dort, zwischen ausrangierten Paletten, Bauschutt und löcherigen Abdeckplanen, steht vor einem hellen Trapezblechzaun ein roter Einkaufswagen in der Sonne, als wäre ihm der ganze Trubel zu doll geworden und er hätte sich ein ruhiges Plätzchen gesucht.
Ein Mann dreht eine Gassirunde mit seinem kleinen weißbraunen Hund. Weiter hinten fährt ein Müllwagen vorbei. Drüber ein blauer Himmel mit wenigen weißen Wolken.
Für ein paar Minuten darf ich teilhaben an der Schönheit und Stille dieses Ortes. Danach ist das Grau verschwunden.
Wesen höherer Intelligenz habe ich mir immer anders vorgestellt. Wie E.T. oder so. Mir war nicht klar, dass sie uns auch in Gestalt von roten Einkaufswagen besuchen.
