Kaffeefahrten

Ich liebe minimalistische Formate: Haikus, Chopins Nocturnes, und Kurzgeschichten, die mit wenigen Seiten auskommen. Weniger ist meist so viel mehr. Klare, präzise Aussagen taugen fürs Business, aber wohlformulierte, ausbalancierte Andeutungen ziehen wie ein Raunen durchs Unterbewusstsein und bringen die Vorhänge zum Schwingen, hinter denen in vielfarbigen Räumen das Unerhörte auf uns wartet.

Auf Instagram finde ich Gleichgesinnte.

Mit den Menschen, die meine minimalistischen Fotos liken, gibt es eine dezente Verbindung, wir sind auf einer oder mehreren Ebenen unseres ästhetischen Empfindens connected, wie man jetzt sagt.

Dann sitze ich an einem Samstagmorgen wie heute in aller Herrgottsfrühe am Rechner, inhaliere den Kaffeeduft aus dem Becher vor mir, und streife durch die Galerien meiner Seelenverwandten.

Manchmal geben das Profil oder einzelne Bildunterschriften eine Ortsangabe preis: Tokyo, Brasil, Tirol, NYC. Dann erscheint das Foto auf einer transparenten Assoziationsfolie, ich tauche ein und streune los.

Menschen gibt es selten auf diesen Fotos, und wenn, dann winzig klein oder anonymisiert irgendwo am Bildrand, weil das Motiv einen Maßstab braucht.

Wirklich wichtig sind sie nicht.

Ich sagte ja: Seelenverwandte.

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Michael Heidekorn

Sich das alles ansehen. Gelegentlich lächeln. Weitermachen.

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