6.00h morgens Mitte Oktober, im Westen Deutschlands. 5°C, dunkel, Nieselregen. Ich setze den Blinker und ordne mich ein in die Spur zur Autobahn. In zwanzig Minuten werde ich in meinem Büro das Licht einschalten, den PC hochfahren, Kaffeewasser ansetzen. Der Urlaub ist endgültig vorbei, Fuerteventura, my love, 3.000 km weit entfernt.
Steine und Sand, ein paar dürre Sträucher, Kakteen. Ziegen dazwischen. Einen Steinwurf weiter rauscht das Meer. Über allem der unendliche blaue Himmel.
Die erste Schattengestalt torkelt vor meinem Fenster über den Hof, auf dem Weg zum Kiosk, für den Frühstückswodka. Einige unserer Hardcore-Alkis haben den Löffel abgegeben in den letzten Monaten – irgendwann, nach Monaten eines sich immer mehr beschleunigenden Verfalls, kapituliert selbst der robusteste Körper. Wir hängen dann ein Foto in den Schaukasten neben dem Eingang. Das war’s. Wieder ein Leben vorbei.
Der Kaffee ist heiß, das Brötchen knusprig. Eine Kollegin schaut um die Ecke, fragt, wie der Urlaub war. Das tut gut. Langsam, langsam komme ich an …
Ich lege mein Handtuch auf den Sand, ziehe T-Shirt, Shorts und Sandalen aus, und lege den kleinen Rucksack in die Vertiefung zwischen den Felsen. Die Brandung ist lebhaft, und man muss aufpassen, dass man zwischen den glitschigen Steinen nicht umknickt. Dann ist das Wasser so tief, dass ich schwimmen kann. Ich atme tief durch, schwimme mit ruhigen, gleichmäßigen Zügen. Bei der ersten Welle tauche ich ein, Salzwasser spritzt mir ins Gesicht, in den Tropfen an meinen Wimpern funkelt die Sonne, und alles ist gut.
